Warum diese Dörfer dort liegen, wo sie liegen
Istriens Hinterland ist Karstland — eine weiche, höhlendurchzogene Kalksteinlandschaft, durchschnitten von den Tälern der Mirna und der Raša. Vom frühen Mittelalter an siedelten die Menschen auf abgelegenen Felskuppen über den Tälern, aus denselben Gründen: Verteidigung gegen Plünderer von der Küste, malariafreie Luft über den sumpfigen Niederungen und freie Sicht auf die Handelswege zwischen der Adria und dem slowenischen und italienischen Hinterland. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlich dichter Cluster befestigter Steindörfer, jedes mit demselben venezianisch-gotischen Vokabular aus Stadttoren, Loggien, Glockentürmen und doppelten Ringmauern.
Die meisten dieser Orte gehörten von Ende des dreizehnten Jahrhunderts bis 1797 zur Republik Venedig, und der venezianische Markuslöwe ist noch über fast jedem Stadttor eingemeißelt. Später folgten österreichische und italienische Herrschaft — deshalb ist jedes Schild in der Region kroatisch-italienisch zweisprachig und die Küche näher an Friaul als an Dalmatien. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ ein Großteil der italienischsprachigen Bevölkerung die Region im sogenannten istrischen Exodus, und mehrere kleinere Dörfer waren in den 1960er Jahren fast leer. Einige überlebten nur dank künstlerischer und kultureller Wiederbelebungsprojekte aus jenem Jahrzehnt — Grožnjan ist das berühmteste Beispiel.
Für Besucher heißt das: Sie können dreißig Kilometer durch Wald und Weinberge fahren und an fünf oder sechs nahezu identisch wirkenden Steindörfern vorbeikommen, jedes auf seinem eigenen Hügel, jedes mit eigenem Charakter — ein Filmfestivalort, eine Musikakademie, ein fast unbewohntes Dorf, eines berühmt für ein Riesenomelett. Der Reiz der Rundfahrt durch das Innere Istriens liegt darin, die Unterschiede herauszufinden.
Auf einen Blick
Lage
Zentral- und Nordistrien, etwa das Dreieck zwischen Pazin, Buzet und Buje. Die meisten Dörfer liegen 250 bis 380 Meter über dem Tal der Mirna.
Beste Reisezeit
Ende April bis Mitte Juni und September bis Anfang November. Im Frühjahr blühen Wildblumen und die Loggien sind leer; September und Oktober sind Trüffelsaison und die vollsten Wochenenden des Jahres.
Anreise
Ein Auto ist unverzichtbar — Busse fahren nach Pazin und Buzet, verbinden aber die kleineren Orte nicht. Von Pula sind es rund eine Stunde bis Motovun, von Rovinj 50 Minuten, von Triest in Italien etwa 90 Minuten.
Zeitbedarf
Ein langer Tag reicht für zwei oder drei Orte; drei Tage erlauben es, langsam zu reisen und auch die schwerer erreichbaren Dörfer wie Hum, Roč und Oprtalj einzubeziehen.
Nächste Flughäfen
Pula (PUY) für den Süden der Region, Triest (TRS) und Ljubljana (LJU) für den Norden.
Budget
Ein Trüffel-Tasting-Menü in Motovun kostet 60–90 € pro Person, ein Glas einheimischer Malvazija 4–6 €; Parken am Fuß von Motovun 5 € pro Tag, im Sommer mit kostenlosem Shuttle in den Ort.






